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Pier im See

Trauerreden - Wenn Worte fehlen

  • vor 5 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Warum persönliche Trauerreden so viel bedeutet


Portrait Ina Hanuschik als freie Rednerin


Was fühlst DU?


Wann hast du zuletzt bei einer Beerdigung geweint – nicht aus Trauer, sondern weil jemand genau die richtigen Worte gefunden hat?

Viele Menschen kennen das Gefühl. Und viele kennen auch das Gegenteil: eine Trauerrede, die sich anfühlt wie ein Formular. Name, Geburtsdatum, Beruf. Ein allgemeines Bibelzitat. Drei Minuten, die sich wie dreißig anfühlen.

Der Unterschied liegt im Redner - darin, ob jemand wirklich zugehört hat.


Eine Rede, die trägt


Wenn ein Mensch stirbt, bleibt so vieles ungesagt. Die Geschichten, die nur die Familie kennt. Die kleinen Eigenheiten, über die man früher gelacht hat - Traditionen, die er mit der Familie geteilt hat. Das, was diesen Mensch ausmacht – nicht auf dem Papier, sondern im echten Leben.

Eine persönliche Trauerrede holt genau das hervor. Sie gibt dem Verstorbenen einen Platz im Raum, als Mensch, als Individuum mit all seinen Facetten.

Und damit kann man so viel für die Trauernden leisten. Aufarbeitung, Freude an den Erinnerungen an einen geliebten Menschen, Zusammenhalt. All das kann man begleiten, wenn man zuhört, spricht und Gefühlen ihren Raum lässt.


Was passiert, wenn die Rede fehlt oder nicht passt


Viele Hinterbliebene berichten im Nachhinein, dass sie sich an die Beerdigung kaum erinnern. Alles verschwimmt. Was bleibt, sind Momente. Ein Satz. Ein Bild. Oder eben das unangenehme Schweigen, wenn die Rede vorbei ist und niemand weiß, was er fühlen soll. Ich kenne das nur zu gut. Nach der Beerdigung meines Opas erinnere ich mich nur noch daran, dass meine Mutter sein Lieblingsgedicht vorgetragen hat. Alles andere war inhaltslos und berührte niemanden. Schon damals habe ich gedacht: "Das muss doch anders gehen. Für das Andenken des Verstorbenen und für die Familie und Freunde." Heute weiß ich:

Gute Trauerreden geben Orientierung. Sie erlaubt es den Anwesenden, loszulassen – weil jemand ausgesprochen hat, was im Raum liegt.

Das ist keine Kleinigkeit. Es ist oft das, woran Menschen sich noch Jahre später erinnern, was ihnen in den Momenten Kraft gibt, wenn die Trauer überhand gewinnt.


Was eine persönliche Trauerrede leisten kann


„Wir regeln das selbst." Oder: „Das macht doch der Pfarrer." Oder einfach: Man weiß nicht, dass es eine andere Möglichkeit gibt.

Eine freie Trauerrede bedeutet nicht, dass es keinen religiösen Anklang gibt. Im Gegenteil. Es bedeutet, dass jemand sich die Zeit nimmt, zuzuhören – und dann in Worte zu fassen, was die Familie selbst gerade nicht kann. Egal welche Glaubensrichtung der Verstorbene hatte. Als Trauerredner nehme ich Rücksicht auf die Situation, lese zwischen den Zeilen und gebe euch Sicherheit in der Kommunikation, ganz egal, ob sich die Trauerfeier in einem kirchlichen Kontext abspielt oder nicht. Ich kommuniziere mit Bestatter und Kirche (sofern erwünscht) und lasse euch dadurch Raum für euch und eure Lieben.

Denn in den Tagen nach einem Todesfall ist Sprache das Letzte, worüber man nachdenkt und das wichtigste, was gebraucht wird.

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